Hochschule Niederrhein - page 12

Regionale Transfereffekte der Hochschule Niederrhein
Rüdiger Hamm und Johannes Kopper 9
Weite Teile des Mittleren Niederrheins besitzen aus historischer
Sicht eine textilindustrielle Prägung. Dieser Tatbestand sowie weite-
re, heute eher als „altindustriell“ eingestufte Branchenschwerpunkte
(Metallerzeugung, Chemie) hatten zur Folge, dass die Region in den
vergangenen Jahrzehnten unter einem erheblichen strukturellen An-
passungsdruck gestanden hat und zum Teil schmerzliche Anpas-
sungsprozesse durchlaufen musste. Gerade für diesen Regionstyp –
häufig wird er als „alte Industrieregion“ bezeichnet – ist die Verfüg-
barkeit eines qualifizierten Arbeitskräftepotenzials eine entscheiden-
de Voraussetzung zur Bewältigung struktureller Anpassungslasten.
Neben den schwierigen wirtschaftsstrukturellen Gegebenheiten
kommen Besonderheiten der wirtschaftsräumlichen Lage hinzu:
Zwar ist der Mittlere Niederrhein einerseits mit ausgezeichneter An-
bindung an das überregionale Straßennetz zentral in Europa gelegen,
andererseits nimmt er mit Blick auf die nahegelegenen nordrhein-
westfälischen Metropolregionen an Rhein und Ruhr eher eine Bal-
lungsrandlage ein; die Grenze zu den Niederlanden ist zwar durch
die Europäische Union mit allen ihren Freizügigkeiten in höchstem
Maße durchlässig, hat aber – aufgrund interkultureller und insbeson-
dere sprachlicher Unterschiede – eine trennende Wirkung.
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Regionale Transfereffekte von Hochschulen
Hochschulen beeinflussen ihre Standortregionen in vielerlei Hin-
sicht. Die von Hochschulen ausgehenden Effekte lassen sich in nach-
frageseitige und angebotsseitige Einflussfaktoren unterteilen. Insbe-
sondere in den Anfängen der Hochschulforschung (etwa zwischen
1970 und 1990) konzentrierte sich die Forschung nahezu ausschließ-
lich auf den Bereich der Nachfrageeffekte.
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Investitionen für Bau,
Erhalt und Betrieb einer Hochschule sowie die Ausgaben der Studie-
renden und der Beschäftigten wurden als regional wirksamer Impuls
gesehen und deren Wirkung auf das regionale Einkommen und die
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Vgl. Back / Fürst 2011, S. 3 – 5.
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