Handwerk in Anklam
Die Bremer Stadtmusikanten –
Handwerk in Anklam
E
s war einmal… So fangen alle Märchen an, auch das vom Esel, dem Hund, der Katze
und dem Hahn, kurz, das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten. Diese Figuren-
gruppe schmückt seit dem 17.09.1984 als Kunstschmiedearbeit die Fassade des Gebäudes
Burgstraße/Ecke Frauenstraße. Die Ausführung der etwa 1,80Meter großen und zwei Zentner
schweren Arbeit übernahm die Firma Heidschmidt. Im Logo für das 750-jährige Stadtjubilä-
um repräsentiert diese kunstvolle Arbeit das vielseitige Handwerk in der Hansestadt Anklam.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts zählten in erster Linie Vertreter des Handwerks zur
Anklamer Bürgerschaft: „Unter ihnen waren die Wollweber die führende Zunft. Sie erhiel-
ten sogar das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit zugesprochen, das sie gegen „Lakendiebe“
anwenden konnten. Ab und zu kam es vor, dass von der Tuchmacherwiese an der Peene,
wo die 25 Meter langen Gewandstücke (Laken) zum Trocknen auf Rahmen gespannt
wurden, einige Stücke verschwanden. Der Galgen der Tuchmacher an der Nordseite der
Peene gegenüber dem Burgtor sollte Diebe abschrecken.“
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Es kam auch vor, dass ein
Dieb am Galgen der Tuchmacher einen frühen Tod fand. Die
Erhängung eines gewissen Michel Mundt, der im Jahre 1581
einen Anklamer Wollweber um sieben Ellen Stoff erleichterte,
wird als sensationelles öffentliches Schauspiel überliefert.
Auch im 18. Jahrhundert ist das Handwerk nach wie vor
der Haupterwerbszweig der Anklamer Bevölkerung. Nach
einer Erfassung aus dem Jahre 1777 betrieben rund 400
Bürger der Stadt Anklam ein Handwerk oder Gewerbe. In
diesem Jahr zählte Anklam nur 3021 Einwohner. Der Hand-
werker- und Gewerbestand war in rund 60 verschiedene
Berufszweige unterteilt. Die zahlenmäßig stärkste Berufs-
gruppe bildeten die Schuhmacher mit 48 Mitgliedern, ihnen
folgten 32 Branntweinbrenner, 22 Bäcker, 21 Schneider,
18 Brauer, 16 Fischer, 16 Höker (kleine Lebensmittelhändler),
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