Schwedenzeit
Wesselsche Mühle –
Schwedenzeit
E
ine letzte Seltenheit, die an die Mühlen um Anklam erinnert, ist die nach dem Besitzer
benannte Wesselsche Mühle. „Der Vorgängerbau, eine Bockwindmühle aus dem Jahre
1634, wurde 1726 durch eine Holländerwindmühle ersetzt.“
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Der Baubeginn für diese Mühle fiel somit in eine Zeit, in der Anklam eine geteilte Stadt war.
Als 1637, mitten im 30-jährigen Krieg, mit Bogislaw XIV. der letzte Herzog aus dem Greifen-
geschlecht starb, entbrannte der Streit zwischen Brandenburg und Schweden um die Erb-
folge von Pommern. Nach demNordischen Kriegmusste Schweden die südöstlich gelegenen
Gebiete mit Stettin, Usedom, Wollin, Demmin und Anklam an Preußen abtreten. Die Peene
wurde zur Grenze zwischen Schweden und Preußen. Damit zählte die Bevölkerung des
Anklamer Peendamms in den Jahren zwischen 1720 und 1815 politisch zu Schweden. Doch
„da der Anklamer Magistrat einen Teil seiner Rechte auf dem Peendamm behalten durfte“
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wurde in der Wesselschen Mühle durch preußische Beamte Recht nach schwedischen
Gesetzen gesprochen. „Man verhandelte Privatklagen, aber auch Kriminalfälle nach
schwedisch-pommerschen Gesetzen.“
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Auch Reisenden entging die politische Sonderstellung des
Peendamms nicht. In einer Passage aus der Reisebeschrei-
bung des Schweden Jonas Apelblad, der 1755 Anklam be-
suchte, heißt es: „Von Greifswald fuhren wir aus Neugierde
mit dem Postwagen vier Meilen nach Anklam… Bey Anklam
ist die Grenzscheidung zwischen dem Schwedischen und
Brandenburgischem Pommern. Die Vorstadt, welche dies-
seits des Peeneflusses liegt, gehöret Schweden zu, die Stadt
aber selbst dem König von Preußen, der eine starke Be-
satzung darinn hält.“
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Erst 1815 kam auch das nördlich der
Peene gelegene Vorpommern zu Preußen.
Im Jahr 2000 entstand die Schwedenstraße in Mecklenburg-
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